Terror, Wahn, Gesellschaft

NSU, der Staat und die Verwandlung der Gesellschaft in ein Irrenhaus

Als sich im November 2011 herausstellte, dass Neonazis über mehrere Jahre hinweg Mordanschläge in der Bundesrepublik verübt hatten, war die deutsche Öffentlichkeit „betroffen, empört, fassungslos“. Nach dem Bekanntwerden der NSU-Morde wurde über alles Mögliche gesprochen: ein Wiedererstarken der Neonaziszene, eine „Braune Armee Fraktion“, inkompetente Behörden, eine rassistische Gesellschaft sowie rechte Seilschaften bei Verfassungsschutz und Polizei. Nur eines wollte oder konnte niemand thematisieren: die Frage, inwieweit sowohl die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ als auch die Kombination aus Inkompetenz und Impertinenz auf Behördenseite Ausdruck einer an sich selbst irre gewordenen Gesellschaft sind.

Aus Anlass des Prozesses gegen Beate Zschäpe soll im Rahmen des Vortrags mit einigen Thesen versucht werden, über die reine Faktensammlung und die hektische Betriebsamkeit von Politik und Medien – von der Einrichtung einer Generaldatei „Rechts“ bis zu Diskussionen über ein neues NPD-Verbotsverfahren – hinauszukommen. Denn allem Veränderungsgestus zum Trotz dient dieser Aktionismus letztlich nur einem Zweck: besinnungslos weiter hantieren zu können wie bisher.

Vortrag und Diskussion mit zwei Vertretern des AK Antifaschismus/Antirassismus im Studierendenrat an der Universität Halle.

Donnerstag, 25. Juli 2013, 19:30 Uhr

Gemeindesaal der Himmelfahrtskirche, Kidlerstraße 15, 81371 München-Sendling

(U-Bahn-Haltestelle Harras oder Implerstraße)

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Veranstaltung mit Richard Kempkens

Ungeglaubter Glaube, gläubiger Unglaube: Katholizismus im Land der permanenten Reformation

Der scheidende Papst Benedikt XVI. hat offenkundig genug von den kalten Böen, die ihm ständig die Soutane aufwirbelten, den äußerst lästigen Benedetto-Chören und den ständigen Mikrophonrückkopplungen. Der Vorsteher der meistgehassten und meistverfolgten Religionsgruppe der Welt hat kaum seinen Rücktritt angekündigt, da erhebt sich im deutschen Blätterwald und den nie fehlenden Umfragen die fast einhellige Forderung nach Reformen, nach einem neuen aggiornamento an den postmodernen Zeitgeist, nach einer Vertiefung der Ökumene, nach weiblichen Priestern, schwulen Ehepaaren und selbstverständlich nach einem nichtweißen Kirchenoberhaupt, sprich: nach einem Obama-Papst, einem antipapstKrankenhausclown mit großem Latinum. Die Segel gebläht von der heißen Luft, die sie erzeugen, und doch irgendwie vom Heiligen Vater so plötzlich verlassen wirkend wie das Kirchenvolk selbst, rufen sie nun von Spiegel bis Zeit nach dem Ende des finsteren Mittelalters, nach innerkirchlicher Demokratie und der endlichen Preisgabe der irrationalen Dogmen, die doch nur den interreligiösen Dialog belasten und den Reproduktionsbetrieb stören. In der katholischen Kirche selbst, namentlich in der deutschen, ist der Wunsch groß, ein reibungslos in den Staat gefügtes Dienstleistungsunternehmen mitsamt pflegeleichter corporate identity zu werden, und dementsprechend klingen viele katholische Wortmeldungen wie aufdringliche Bewerbungen beim Souverän als Sinnstifter. Benedikt XVI. aber, der „erzkonservative“ Dorn in allen Augen, machte sich trotz der schwer identitätsbedürftigen Zeiten verhasst, weil er die Rolle des österlichen Grußaugusts immer wieder dazu nutzte, der sogenannten westlichen Zivilisation in Erinnerung zu rufen, was ihre unhintergehbaren Ausgangspunkte sind, wo ihre zu entfaltenden Forderungen wurzeln: in der hebräischen Gottessuche, der griechischen Philosophie und dem römischen Recht. Es wird zu untersuchen sein, was es mit diesem XXI. Jahrhundert des Abendlandes auf sich hat, an welches sich der vermeintlich „mittelalterliche“ Klerus anpassen soll und nicht ganz will, das sich mit Riesenschritten an die Abwicklung und Einebnung des katholischen Ärgernisses, des fundamentalistischen US-Christentums und last but not least des orthodoxen Judentums macht und gleichzeitig die Diversität der menschenverachtendsten Ideologien von den Islamisten bis zum Dalai Lama abfeiert.
Richard Kempkens ist Redakteur der Kölner Zeitschrift Prodomo und schreibt überdies für die Bahamas.


Mittwoch, den 13. März 2013, 19 Uhr

Salon Irkutsk, Isabellastraße 4, München-Schwabing

Stephan Grigat in München

Gerne bewerben wir folgende Veranstaltung der Grünen Jugend München mit Stephan Grigat (Café Critique Wien) und empfehlen als Vorbereitung seinen Artikel in der ersten Nummer der Zeitschrift sans phrase:

Die Einsamkeit Israels – der globale Antisemitismus und das iranische Regime im neuen Nahen Osten

Wer Anfang 2011 davor warnte, der arabische „Frühling“ könne sehr schnell in einem Siegeszug der islamistischen Moslembrüder enden und für Israel zu einer neuen Bedrohung führen, galt als Schwarzseher, der „den Arabern“ keine Demokratie „gönnen“ würde. Heute ist nicht zuletzt angesichts der Wahlergebnisse in Ägypten Ernüchterung eingetreten. Nachdem die Erfolge der Islamisten nicht mehr geleugnet werden können, geht man dazu über, ihre Ideologie schön zu reden.
Die zentrale Frage lautet, ob jener für den Nahen Osten so typische Mechanismus durchbrochen werden kann, bei dem die innergesellschaftlichen und durch den Weltmarkt evozierten Widersprüche, die durch den Sturz von Mubarak in Ägypten oder von Ben Ali in Tunesien nicht verschwunden sind, stets in hemmungslose Aggression gegen den jüdischen Staat transformiert werden. Bisher gibt es wenig Anzeichen dafür, dass das in absehbarer Zeit gelingen kann. Ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Möglichkeiten für solch ein Gelingen wäre der Sturz des iranischen Regimes, ohne dessen Politik der letzten 30 Jahre kaum eine Entwicklung im Nahen Osten zu verstehen ist.

Der Vortrag wird versuchen, eine Einschätzung der aktuellen Situation im Nahen Osten zu geben, die prekäre Situation Israels angesichts der iranischen Vernichtungsdrohungen darzustellen und die Politik Deutschlands und der EU gegenüber zentralen Akteuren im Nahen Osten einzuschätzen.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, war Forschungsstipendiat in Tel Aviv und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündnisses STOP THE BOMB. Er ist u.a. Mitherausgeber von „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur & ihrer europäischen Förderer“ und von „Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes & Perspektiven der Freiheitsbewegung“ sowie Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“.

Mittwoch, 16. Januar 2013, 20 Uhr

Die Veranstaltung wird im Hauptgebäude der LMU in Raum E 216 stattfinden. Siehe auch hier.