Stephan Grigat in München

Gerne bewerben wir folgende Veranstaltung der Grünen Jugend München mit Stephan Grigat (Café Critique Wien) und empfehlen als Vorbereitung seinen Artikel in der ersten Nummer der Zeitschrift sans phrase:

Die Einsamkeit Israels – der globale Antisemitismus und das iranische Regime im neuen Nahen Osten

Wer Anfang 2011 davor warnte, der arabische „Frühling“ könne sehr schnell in einem Siegeszug der islamistischen Moslembrüder enden und für Israel zu einer neuen Bedrohung führen, galt als Schwarzseher, der „den Arabern“ keine Demokratie „gönnen“ würde. Heute ist nicht zuletzt angesichts der Wahlergebnisse in Ägypten Ernüchterung eingetreten. Nachdem die Erfolge der Islamisten nicht mehr geleugnet werden können, geht man dazu über, ihre Ideologie schön zu reden.
Die zentrale Frage lautet, ob jener für den Nahen Osten so typische Mechanismus durchbrochen werden kann, bei dem die innergesellschaftlichen und durch den Weltmarkt evozierten Widersprüche, die durch den Sturz von Mubarak in Ägypten oder von Ben Ali in Tunesien nicht verschwunden sind, stets in hemmungslose Aggression gegen den jüdischen Staat transformiert werden. Bisher gibt es wenig Anzeichen dafür, dass das in absehbarer Zeit gelingen kann. Ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Möglichkeiten für solch ein Gelingen wäre der Sturz des iranischen Regimes, ohne dessen Politik der letzten 30 Jahre kaum eine Entwicklung im Nahen Osten zu verstehen ist.

Der Vortrag wird versuchen, eine Einschätzung der aktuellen Situation im Nahen Osten zu geben, die prekäre Situation Israels angesichts der iranischen Vernichtungsdrohungen darzustellen und die Politik Deutschlands und der EU gegenüber zentralen Akteuren im Nahen Osten einzuschätzen.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, war Forschungsstipendiat in Tel Aviv und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündnisses STOP THE BOMB. Er ist u.a. Mitherausgeber von „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur & ihrer europäischen Förderer“ und von „Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes & Perspektiven der Freiheitsbewegung“ sowie Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“.

Mittwoch, 16. Januar 2013, 20 Uhr

Die Veranstaltung wird im Hauptgebäude der LMU in Raum E 216 stattfinden. Siehe auch hier.

Das Elend der Münchner Linken

Die Münchner Linke, die sowieso nichts anderes tut als sich in ihrem stinkenden Nest namens „Kafe Marat“ gegenseitig „antisexistische Theorie“ um die Ohren zu hauen und sich auf Konzerten von niederbayerischen Gymnasiastenbands in ihrer selbstverächtlichen Lebens- und Ästhetikfeindlichkeit zu suhlen, hat endlich wieder eine Beschäftigung gefunden: Angeheizt vom ehemaligen „ideellen linksradikalen Gesamtmünchner“ Bikepunk, der mittlerweile als verzottelter Hippie mit massiven Sprach- und Denkschwierigkeiten, aber einer umso größeren Klappe durch Berlin tigert, setzt sich nun die Szenezeitschrift Luzi-M mit dessen Forderung auseinander, die Gruppe Kir Royal und alle der Sympathie mit ihr Verdächtigen aus der Linken zu verbannen. Zielsicher werden die schwachsinnigsten Denunziationen des Fahrradideologen herausgegriffen und so getan, als könne man ohne rot zu werden über deren Wahrheitsgehalt diskutieren. Das einzige, was für diese Gesinnungsbruderschaft zählt, ist das ganz und gar unreflektierte, weil allein bauchgefühlige Bekenntnis zum linken Haufen, um dessen Anerkennung durch joviales Schulterklopfen und munteres Zuprosten an der klebrigen Theke man buhlt.

Liebe linke Szene, jetzt mal im Vertrauen gesagt: Ihr tut uns großes Unrecht, wenn ihr euch über unseren Verbleib in der Linken die Köpfe zerbrecht! Uns ist es zutiefst unangenehm, durch diese Diskussion überhaupt mit euch in Verbindung gebracht zu werden. Nirgends und niemals haben wir uns der Linken zugerechnet – die gute Nachricht für euch: Ihr braucht uns daher auch gar nicht erst aus ihr ausstoßen.

Und was euren beknackten, ja geradezu pathologischen Rassismusvorwurf angeht: Nur weil ihr mit eurer grenzenlosen Fantasie und endemischen Begriffsstutzigkeit beachtliche Ausdauer wie Besserungsresistenz an den Tag legt, heißt das nicht, dass ihr ungescholten Dinge in Texte hineinlegen dürft, die dort schlichtweg nicht stehen.

Erlebnisse mit dem Kreisvorsitzenden der DKP München

Ich begebe mich zu meinen Studenten. Auch ich demonstriere. Keine übermäßig schwere Tätigkeit. Mir fallen zwei junge Leute auf, die ich zuvor noch nicht gesehen habe, Kerem und Lisa, die hier herumsitzen und die Passanten beobachten. Er ist ein atheistischer Muslim, sie eine atheistische Christin. Beide sind eingefleischte Kommunisten. Sie wollen, daß Deutschland ein kommunistischer Staat wird. „Kommunismus ist gut“, sagen sie unisono. „Die Leute sollen selbst entscheiden, nicht die Politiker.“ Sie kennen sich seit vielen Jahren, diese beiden Anfang 20jährigen, und so „können wir kein Paar werden.“ Niemals. Aber sie sind gute Freunde und haben dieselben Werte. Sie waren beide in Kuba. Kuba ist gut. Das Paradies auf Erden. Sie haben es mit eigenen Augen gesehen. „Kuba ist wirklich demokratisch, nicht wie Deutschland. In Kuba entscheiden die Menschen, in Deutschland sind es die korrupten Politiker, die für uns entscheiden. Wenn die Politiker in Kuba korrupt sind, dann stimmen die Leute ab und schmeißen sie raus. Hat es das in Deutschland je gegeben? Kann man korrupte Politiker mitten in ihrer Amtszeit abwählen? In Kuba kann man das.“ Habe ich eigentlich schon erwähnt, daß Kerem und Lisa stocknüchtern sind? Ich verlasse München.

Tenenbom, Tuvia: Allein Unter Deutschen. Berlin 2012.